Der erste deutsche Papst im 21. Jahrhundert - "wir sind Papst"

Papst Benedikt XVI. wurde mit bürgerlichen Namen Joseph Aloysius Ratzinger geboren. Er war einer der wenigen Päpste, die aus Deutschland stammen. Selbst in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, zeigte er sich in seinem Wirken als hoch intelektueller Mann, der schon zeitig seine wissenschaftlichen Fähigkeiten anderen Menschen zur Verfügung stellte. Mit einem gewissen Stolz blickte Deutschland auf seinen ersten modernen Papst. "Wir sind Papst" konnte man in allen größeren Tageszeitungen nachlesen. Benedikt XVI. war allerdings weniger modern, als man es sich anfangs erhoffte. Seine Regentschaft war geprägt von konservativen Entscheidungen und distanzierten Haltungen gegenüber aktuellen gesellschaftlichen Tabuthemen.

FranziskusDerErste.eu zeigt Ihnen hier einen kleinen Überblick seines bedeutsamen Lebens.

Papst Benedikt XVI - Kurzbiografie von Joseph Ratzinger

  • 16.4.1927: Geburt mit dem Namen Joseph Aloysius Ratzinger
  • 1946: Abitur am Chiemgau-Gymnasium in Traunstein
  • 1946 – 1951: Papst Benedikt absolviert ein Studium der Theologie und Philosophie (Hochschule Freising & Universität München)
  • 1951: Papst Benedikt erhält in München-Moosach seine Priesterweihe
  • 1951 – 1952: Kaplan in München Bogenhausen
  • 1953: Papst Benedikt wird Dr. der Theologie
  • 1958: Ratzinger wird Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Uni Freising
  • 1959 – 1963: Papst Benedikt lehrt an der Uni in Bonn
  • 1976: Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten
  • 1976: Joseph Ratzinger wird Vizepräsident der Universität von Regensburg
  • 1977: Papst Benedikt wird Erzbischof von München und Freising
  • 1981: Ratzinger wird Kurienkardinal in Rom
  • 1986 – 1992: Papst Benedikt ist Leiter der Päpstlichen Kommission zur Erstellung des "Katechismus der Katholischen Kirche"
  • 1993: Papst Benedikt wird Kardinalsbischof des Bistums Velletri-Segni durch Papst Johannes Paul II.
  • 1998: Ernennung zum Subdekan des Kardinalskollegiums.
  • 19.04.2005: das Konklave wählt Ratzinger zum 265. Papst. Er nimmt den Namen Papst Benedikt XVI.
  • 11.02. 2013: Als erster Papst der Neuzeit kündigt Benedikt XVI. an, dass er sein Pontifikat aufgibt, weil ihm nach eigener Aussage "die Kraft zum Regieren fehlt".
  • 28.02.2013: Papst Benedikt XVI. tritt von seinem Amt zurück

Ausführliche Vita von Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger)

Kinder- & Jugendjahre von Papst Benedikt XVI.

Am 16. April erblickte Joseph Aloysius Ratzinger als drittes Kind des Gendarmeriemeisters Joseph Ratzinger und seiner Frau Maria, einer Köchin, in Marktl am Inn das Licht der Welt. Der Beruf seines Vaters verlangte es von der Familie sehr häufig umzuziehen. Viele Jahre seiner Jugend verbrachte Papst Benedikt XVI in Hufschlag, einem kleinen Dorf in der Nähe von Traunstein. Seine Familie war sehr religiös und legte daher bei der Erziehung der eigenen Kinder sehr viel Wert auf christliche Werte. Der große Bruder von Papst Benedikt XVI. besuchte in seiner Schulzeit sogar das Internat des katholischen Knabenseminars. 1941 wird Benedikt XVI in die Hitlerjugend berufen. Im Alter von 16 Jahre ist er Flakhelfer in München. In den letzten Kriegsjahren geriet er in amerikanische Gefangenschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte Papst Benedikt das Chiemgau-Gymnasium in Traunstein, bei welchem er 1946 erfolgreich sein Abitur ablegte.

Papst Benedikt XVI – seine ersten Schritte in die wissenschaftliche Theologie

Gedenk- und Sammlermünzen von Päpsten
Nach seinem Abitur entschied sich Papst Benedikt XVI. 1946 für ein Studium der Theologie und Philosophie an der Theologischen Hochschule in Freising und an der Uni in München. 1951 erhielt er, gemeinsam mit seinem Bruder Georg Ratzinger, die Priesterweihe. Er arbeitete im folgenden Jahr als Aushilfspriester in München Moosach, 1951 – 1952 wirkte Benedikt XVI als Kaplan in München Bogenhausen. In den darauffolgenden beiden Jahren arbeitete Papst Benedikt an seiner Doktorarbeit. Als Dozent im Erzbischöflichen Klerikalseminar in Freising tätig, promovierte er 1953 zum Doktor für Theologie. 1957 habilitierte er an der Universiät München im Fach Fundamentaltheologie mit einer Untersuchung über "Die Geschichtstheologie des heiligen Bonaventura".

Im Alter von 31 Jahren wird Papst Benedikt XVI. Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Universität Freising. In den Jahren 1953 – 1963 lehrte er an der Uni in Bonn. Während dieser Zeit pflegte er gute Kontakte zu Joseph Kardinal Frings. Über ihn konnte er Einfluss auf den Verlauf des Zweiten Vatikanischen Konziles nehmen. 1963 – 1969 hielt er den Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte in Münster und Tübingen inne. Hier erlebte er die berühmten Studentenrevolten der 1968er Zeit direkt mit. Nach dem Ende der Revolten verließ er Tübingen und lehrte als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Regensburg, wo sein Bruder Georg die Leitung der "Regensburger Domspatzen" innehat.

Papst Benedikt XVI. – erste Schritte in den Vatikan

1976 wird er zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt. Ratzinger wird im gleichen Jahr Vizepräsident der Universität von Regensburg. Schon 1977 beruft ihn der damals amtierende Pontifex Papst Paul V. zum Erzbischof von München und Freising. Am 18. März erhält Benedikt XVI. hierfür die Bischofsweihe. Sein an den Kirchenvater Augustinus angelehntes Bischofsmotto lautet: "Mitarbeiter der Wahrheit". Im Juni 1977 erhält Ratzinger die Kardinalswürde. 1978 trifft Benedikt bei der Wahl von Johannes Paul I. in Rom auf Kardinal Karol Wojtyla aus Polen. Nach 33 Tagen im Amt stirbt Johannes Paul I. völlig unerwartet, sodass Papst Benedikt XVI. an der Papstwahl von Johannes Paul II im Vatikan teilnimmt. 1981 verlässt er Deutschland. Er arbeitet fortan als Kurienkardinal in Rom. Johannes Paul II. ernennt ihn zum Präfekten der Glaubenskongregation. In dieser Funktion hat er die Aufgabe, "die Glaubens- und Sittenlehre in der katholischen Kirche zu fördern und schützen."

Unter seiner Führung werden weiterhin Priesterehen abgelehnt, sowie die Befreiungstheologie, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften und künstliche Empfängnisverhütung. Dank seines großen Engagements und seiner hohen Zuverlässigkeit wird Benedikt XVI. zum engen Vertrauten und Freund von Papst Johannes Paul II.

1986 – 1992 leitet er die Päpstliche Kommission zur Erstellung des "Katechismus der Katholischen Kirche". 1993 hebt ihn Papst Johannes Paul II. in den Rang des Kardinalsbischof vom Bistums Velletri-Segni. 1998 erhält er den Titel Subdekan des Kardinalskollegiums. Am 13.11.2000 verleiht man ihm die Ehrenmitgliedschaft der päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Zwei Jahre später wird Benedikt sogar zum Dekan des Kardinalskollegiums gewählt. Er erhält als Titularbischof zusätzlich das Bistum Ostia.

Aus Joseph Ratzinger wird Papst Benedikt XVI.

Am 8. April 2005 hält Ratzinger die Totenmesse für Papst Johannes Paul II in der Sixtinischen Kapelle im Petersdom. Als Dekan des Kardinalskollegiums leitet er das Konklave, bei dem er selbst mit 265 Stimmen zum neuen Papst der Katholischen Kirche gewählt wird. Er nimmt den Namen Papst Benedikt XVI. an und will mit seiner Benennung an den Begründer des Benediktinerordens erinnern, Benedikt von Nursia. In seiner neuen Rolle als Papst Benedikt XVI. besuchte er erstmals am 19.08.2005 Deutschland. Anlässlich des Weltjudentages wohnte er als erster Papst in der Geschichte einer jüdischen Messe bei. Er betrat eine Kölner Synagoge und ging somit in die Geschichte ein. In seiner Zeit als Papst besuchte er zahlreiche Länder, andere Religionen und schrieb viele Bücher. Am 11.02.2013 schrieb er ein zweites Mal Geschichte. Als erster Papst der Neuzeit kündigt Benedikt XVI. an, dass er sein Pontifikat aufgibt, weil ihm nach eigener Aussage "die Kraft zum Regieren fehlt". Am 28. Februar: Papst Benedikt XVI. tritt von seinem Amt zurück. Seither lebt er zurückgezogen in einem Kloster in Rom.