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Ein Italiener auf dem mächtigsten Stuhl der katholischen Kirche

Papst Paul VI, geboren als Giovanni Montini, hatte es während seiner gesamten Amtszeit nicht leicht. Im doppelten Schatten zweier großer Päpste fiel es dem gelehrten Italiener schwer, sich mit seinem Wirken in die Herzen der Anhänger zu bewegen. In einer für die Kirche sowieso schon schweren Zeit musste er Reformen in Gang bringen, Tabuthemen verteidigen und miterleben, wie der Einfluss der katholischen Welt auf dem politischen Schlachtfeld Europas mehr und mehr an Bedeutung verlor. Zwischen technischer Revolution und einer immer schneller zusammenwachsenden Welt wollte er als Papst des Friedens in die Geschichte eingehen.

Lesen Sie hier ausführlich nach, was für ein Mensch Papst Paul VI. war, welche Aufgaben ihn in seinem Leben ereilten und wie es ihm gelang, dennoch eine eigene Note im Vatikan und der katholischen Kirche zu hinterlassen.

Kurzbiografie von Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini (Papst Paul VI)

  • 26.09.1897: Papst Paul VI. wird als Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini geboren in Concesio (Italien)
  • 06.06.1907: Heilige Kommunion Montinis
  • 1916: Abitur und beginnende Ausbildung zum Priester in Brescia
  • 1920: Priesterweihe in Brescia
  • 29.5.1920 - 1923: Theologie Studium in Rom an der Gregoriana
  • Mai 1923: Apostolischen Nuntiatur in Warschau
  • seit 1931: Papst Paul VI. Professor für Geschichte an der päpstlichen Diplomatenakademie
  • 13.9.1937: Anstellung als Minutant des Staatssekretariates
  • 29. November 1952: wird Montini Pro-Staatssekretär (ohne Bischofsweihe)
  • 1954: ernannte Pius XII. Montini zum Erzbischof von Mailand
  • 21.06.1963: wird aus Montini Papst Paul VI.
  • 6. August 1978: Papst Paul VI. verstirbt in Rom

Ausführliche Informationen zum Leben von Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini (Papst Paul VI)

Auf die Welt kam Papst Paul VI. am 26.09.1897 mit dem bürgerlichen Namen Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini. Papst Paul VI. wurde in Concesio geboren und war laut Zählung der 262. Papst der römisch-katholischen Kirche. Während seiner Amtszeit setzte er zahlreiche Gesetzesänderungen für den Vatikan durch. Experten bezeichnen Papst Paul VI. auch als den „Konzilspapst“, weil er so zahlreiche Beschlussfassungen durchsetzte und am Zweiten Vatikanischen Konzil teilnahm.

Papst Paul VI. war Sohn des Abgeordneten Giorgio Montini. Er wurde in seinem Heimatort Brescia am 30. September 1897 getauft und erhielt am 06.06.1907 seine erste Heilige Kommunion. Bereits als Kind kam Paul VI. in persönlichen Kontakt mit hochrangigen Geistlichen, zum Beispiel Papst Pius XI. Als sein Vater 1917 zu einer Audienz bei Papst Benedikt XV. geladen war, traf der junge Montini Achille Ratti, dem späteren Papst Pius XI..

Er entschied sich schon recht jung für eine Ausbildung zum Priester. Nach seinem Abitur 1916 besuchte er ein Priesterseminar in Brescia. Aufgrund seiner schwachen Gesundheit wohnte er nicht in einem Internat, sondern durchgängig zu Hause. Bischof Giacinto Gaggia von Brescia erteilte Montini am 29. Mai 1920 in der Kathedrale die Priesterweihe. Anschließend führte Montini seine Studien in Mailand fort, wo er im selben Jahr zum Doktor des Kirchenrechtes promovierte. Im November 1920 wechselte er nach Rom, wo er sich an der Gregoriana und der staatlichen Universität immatrikulierte. Im Jahr darauf besuchte Montini die päpstliche Diplomatenakademie, worauf eine steile Kirchenlaufbahn begann.

Papst Paul VI in Warschau

Gedenk- und Sammlermünzen von Päpsten
Bereits in seinen jungen Jahren war er bestrebt, anspruchsvolle Tätigkeiten im Auftrag der Kirche zu erfüllen. Im Mai 1923 entschied er sich, für einige Monate als Beigeordneter in der Apostolischen Nuntiatur in Warschau zu arbeiten. Gesundheitsbedingt sah er sich gezwungen dieses Amt schnell wieder niederzulegen. Im Oktober 1924 ließ er sich im päpstlichen Staatssekretariat im Vatikan eine Anstellung geben. Zugleich übernahm Montini die Funktion des geistlichen Assistenten der katholischen Studenten (FUCI) in Rom, von 1925 bis 1933 auch auf nationaler Ebene. In dieser Position erreichte er zahlreiche hochrangige Geistliche. Einer seiner Unterstützer wurde Kardinal Pizzardo. Er förderte den damals noch jungen Papst Paul VI. Im Staatssekretariat lernte Montini auch Domenico Tardini kennen, dessen Lebensweg über lange Zeit parallel zu seinem eigenen verlaufen sollte.

Weiterbildungen & Beziehungen lassen seine Karriere wachsen

Nach Abschluss weiterer theologischer Studien lehrte Montini seit 1931 auch als Professor für Geschichte an der päpstlichen Diplomatenakademie. Kaum ein Jahr später, 1925, erhielt Papst Paul VI. eine leitende Anstellung als Minutant des Staatssekretariates. Papst Pius XI. ernannte ihn am 13. September 1937 zum Substituten im Staatssekretariat. Damit war er Stellvertreter des Kardinalstaatssekretärs Eugenio Pacelli, der zwei Jahre darauf unter dem Namen Pius XII. neuer Papst wurde. Als Pacellis Nachfolger, Kardinal Luigi Maglione, 1944 starb, ernannte Pius XII. weder Montini noch Tardini zum neuen Staatssekretär, sondern übernahm diese Funktion bis 1952 selbst. Dafür beförderte er beide Prälaten für ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich jedoch am 29. November 1952 zu Pro-Staatssekretären, ohne sie jedoch in den Bischofsrang zu erheben. 1954 ernannte Pius XII. ihn zum Erzbischof von Mailand, um ihm pastorale Erfahrung im größten Bistum Europas zu ermöglichen.

Montini wird Papst Paul VI.

1963 war es dann soweit. Im 5. Wahlgang des Konklaves wurde aus Montini der neue Papst Paul VI. Am 21.06.1963 übernimmt er offiziell die Amtsgeschäfte des verstorbenen Johannes XXIII.. Als Papst setzte Paul VI. das Konzil fort. Paul VI. unternahm Auslandsreisen ins Heilige Land und galt somit als moderner Papst. Über Jahrhunderte hinweg mieden seine konservativen Vorgänger diesen Weg. Sein Treffen mit Patriarch Athenagoras in Jerusalem legte den Grundstein für eine neue Ökumene.

Später ging er mit einer atemberaubenden Rede vor der UNO in New York in die Geschichte ein. Die Kernaussage „Nie wieder Krieg“ soll Papst Paul VI. unvergesslich machen. Nach dem Konzil passte Montini die vatikanische Kurie den neuen Aufgaben an. Er errichtete Behörden für eine sich der Welt öffnenden Kirche: für die Ökumene, für Gerechtigkeit und Frieden, für Laien und Familie, für interreligiösen Dialog und Medien. Dennoch hatte es dieser Papst während seiner gesamten Regentschaft nicht einfach. Sein Vorgänger war äußerst beliebt und scharte Hunderte fanatischer Anhänger um sich. Einen solchen Zuspruch zu finden bedarf jahrelanger harter Arbeit. Letztlich sollte er diese Popularität nie erreichen. Mit Amtsantritt Papst Johannes Paul II. kam ein weiterer Papst an die Macht, der mit Euphorie und Charme seine Anhänger gewann, wie ein Popstar.

Papst Paul VI. im doppelten Schatten seines Vorgängers und Nachfolgers

Journalisten karikierten ihn als "römischen Hamlet". Er galt als zaudernd und zögerlich in einer Zeit, in der die Kirche eine schwierige Phase großer Umbrüche erdulden musste. Sein Bemühen, die Umbrüche des Konzils behutsam umzusetzen, ging Reformern nicht weit genug. Konservativen Kreisen war er zu progressiv. Die von seinem Außenminister Agostino Casaroli gestaltete vatikanische "Ostpolitik", die mit kleinen Schritten einen Modus vivendi für die Kirchen im Sozialismus suchte, irritierte konservative Politiker nicht nur in Deutschland. Sein polnischer Nachfolger zog die Pläne zur Gründung einer DDR-Bischofskonferenz sofort zurück und schaltete um auf Offensive gegenüber den Kommunisten. Achtung und Anerkennung durch Friedens. Papst Paul VI. war ein Befürworter gewaltfreier Politik. Seine prophetischen Friedens- und Sozialenzykliken bescherten ihm zahlreiche Pluspunkte. Diese Errungenschaften waren es, die Paul VI. zu einem der großen Päpste des 20. Jahrhundert machen. Prägend blieb etwa das Zitat seines Dritte-Welt-Schreibens Populorum progressio, wonach "der neue Name für Friede Entwicklung heißt". Auf Kritik und Häme stieß hingegen sein Schreiben Humanae vitae (1968), in dem er die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung als schwerwiegendes Problem beschrieb und künstliche Mittel zur Empfängnisverhütung für Katholiken verbot.

Tod von Papst Paul VI.

Am 16. März 1978 wurde der christdemokratische Politiker Aldo Moro von den Roten Brigaden entführt. Moro und der Papst waren seit ihrer Studienzeit befreundet. Paul VI. setzte sich persönlich für die Freilassung Moros ein, indem er sich mit einem handschriftlichen Brief an die Entführer wandte. Seine Bemühungen waren allerdings vergebens. Moro wurde von seinen Entführern ermordet. Um ihm die letzte Ehre erweisen zu können, führte Papst Paul VI. später durch eine Messe im Rahmen des Staatsbegräbnisses für Moro.

Am 14. Juli 1978 brach Paul VI. zur päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo auf. Obwohl gesundheitlich angeschlagen, traf er sich dort mit dem neuen italienischen Staatspräsidenten Sandro Pertini. Sichtlich angeschlagen schleppte er sich durch die offiziellen Prozedere. Gesundheitlich angeschlagen blieb er den folgenden Tag im Bett und lauschte von dort aus der abendlichen Messe. Nach der Kommunion erlitt der Papst einen schweren Herzinfarkt, an dessen Folgen er am 6. August 1978 gegen 21:40 Uhr starb. Paul VI. wurde, seinem Wunsch entsprechend in einem Erdgrab, in den vatikanischen Grotten bestattet.